deutsch-französisch-schweizerischer Fonds für zeitgenössische Musik

8. Jurysitzung: Die Entscheidung der Jury

Am 21. Oktober 2014 fand die 8. Jurysitzung des Deutsch-französischen Fonds für zeitgenössische Musik / Impuls neue Musik in Anwesenheit des Kulturbeauftragten der französischen Botschaft Emmanuel Suard und des Direktor des Bureau Export Fabrice Rebois in der Maison de France statt.

Seit mehr als fünf Jahren begleitet und finanziert Impuls neue Musik anteilig Projekte, die die Schaffung neuer Werke und die Verbreitung zeitgenössischer Musik in Frankreich und Deutschland zum Ziel haben. Im Kern Deutsch-Französisch basieren die Projekte auf dem Austausch zwischen Musikern, Werken und Ästhetiken der beiden Länder. Seit diesem Jahr arbeitet Impuls mit der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S zusammen und plant eine Deutsch-Französische Musikerresidenz auf Gut Siggen.

Dieses Jahr wurden 12 Projekte aus 26 Projektanträgen von der Jury ausgewählt.

Am 21. Oktober vergab die Jury eine Gesamtfördersumme von 99.965 € für folgende Projekte:

  • Caravaggio / Decoder, Sphota, coopérative d’invention musicale (Hambourg / Paris 2015)
  • Rencontre Court-circuit / Cottbus Orchester. Ensemble court-circuit (Résidence     Gut Siggen) (Gut Siggen / Berlin / Paris)
  • Opus XXI, Hochschule für Musik und Theater Hamburg / Association Opus XXI (Salem 2015)
  • Stérésoscope des solitaires, KNM Berlin (Reims 2015)
  • Concert Bernd Alois Zimmermann: Requiem pour un jeune poète, IRCAM (Paris 2015)
  • Portrait Gérard Pesson, Kulturforum Witten (Witten 2016)
  • Bad, Zafraan Ensemble e.V, (Berlin / Salzburg 2015)
  • Hommage à Georges Aperghis, KBB / Berliner Festspiele / Maerzmusik,           (Berlin 2015)
  • Voix, Quatuor et Création, ProQuartet-CEMC, (Paris / Elmau 2015)
  • Concert et colloque Musica/GREAM, Musica / Université de Strasbourg / Labex GREAM, (Strasbourg 2015)
  • Camera Obscura / Lucida, DEDALUS, (Paris / Berlin 2015)
  • L’Instant Donné et les Neue Vocalsolisten, L’Instant Donné, (Stuttgart 2015)

III. Teil der Gesprächsreihe „Hören wir mit anderen Ohren?“ Institut français

am 4. November um 19 Uhr findet die nächste Veranstaltung unserer Reihe „Hören wir mit anderen Ohren? Eine Entdeckungsreise in die deutsch-französische Musik“ statt.

Der 3. Teil widmet sich dem Thema: 1945 – 2014: Elektroakustische Musik diesseits und jenseits des Rheins

Kurz nach dem 2. Weltkrieg begann der Komponist und Toningenieur Pierre Schaeffer in den Studios des Französischen Rundfunks an einer Musik zu arbeiten, die nur mit den technischen Möglichkeiten der Klangmanipulation auf der Grundlage „konkreter“ Geräuschaufnahmen auf Schallplatte und später mit Tonbandgeräten entstand. Daraus entstand 1958 die Groupe de Recherches musicale (GRM), die bis heute fortbesteht. 1951 wurde auch auf der anderen Seite des Rheins ein Studio für elektronische Musik in den Kölner Räumen des WDR gegründet. 1977 folgte in Paris die Eröffnung des IRCAM – der weltweit wohl größten Forschungseinrichtung für den Einsatz elektronischer und digitaler Techniken. 1971 nahm das „Experimentalstudio der Heinrich-Strobel-Stiftung“ in Freiburg seinen Betrieb auf. Liest man die Selbstdarstellungen dieser Institutionen im Bereich Neuer Musik und Elektroakustik, fühlt man sich oft in den Anfang des 19ten Jahrhunderts zurückversetzt und an die musikästhetischen Ideen von E.T.A. Hoffmann oder Héctor Berlioz erinnert. Hoffmann etwa fabulierte über den „Wunderraum der Klänge“ (bei Beethoven), der seine Zuhörer in ein „akustisches Zauberreich“ entführe, das er auch mit religiösen, transzendentalen Qualitäten ausstattete. Ähnliche Begriffe verwenden die elektroakustischen Studios noch heute – vielleicht weil sie 200 Jahre nach Hoffmann und Berlioz, 100 Jahre nach Wagner hoffen, deren musikalische Träume mit den unendlichen Möglichkeiten neuester Klangtechnologie einlösen zu können. Aber besteht tatsächlich noch ein Spielraum für neue Klänge oder gar Klangwelten, besteht die Notwendigkeit für ein neues Hören? – Und überhaupt: Haben Franzosen und Deutsche in Sache elektroakustischer Musik andere Ohren, bei deren Erfindung die Franzosen die Nase eindeutig vorne hatten?

Gesprächspartner: Christian Zanési, Ina GRM; Detlef Heusinger, Experimentalstudio des SWR

Konzept: Uli & Sophie Aumüller.

Moderation: Uli Aumüller.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt, Konsekutivübersetzung ins Französische.

 

Institut Français Berlin,
Kurfürstendamm 211 ,
10719 Berlin

Eintritt: 6 € /erm. 4 € ,

Abendkasse und Bar: ab 18.30 Uhr

 

Information und Kartenreservierung:
Tel. 030 – 885 902 45 oder reservations@impulsneuemusik.com
www.impulsneuemusik.com

 

Eine Reihe von Impuls neue Musik in Kooperation mit Institut Français und Ensemble KNM Berlin.

Mit Dank an die Medienpartner RBB Kulturradio und taz.

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Wolfgang Rihm wurde mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet

Der deutsche Komponist Wolfgang Rihm, 1952 in Karlsruhe geboren, wurde mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. Der Orden wurde ihm in Berlin am 7. Oktober 2014 vom Bundespräsidenten Joachim Gauck überreicht.


Wolfgang Rihm gehört genauso wie Helmut Lachenmann oder Mauricio Kagel zu den  bedeutensten lebenden Komponisten Deutschlands und seine sind oft Teil der von Impuls gefördeten Projekte.

Wolfgang Rihm studierte in Karlsruhe und Freiburg im Breisgau, unter anderem bei Eugene Velte, Wolfgang Fortner und Karlheinz Stockhausen und hat zahlreiche Werke für Musiktheater, Orchester, Gesang und Kammermusik komponiert. Er gilt als einer der produktivsten Komponisten seiner Generation.

Momentan ist er Professor für Komposition am Konservatorium Karlsruhe. Außerdem schreibt er regelmäßig Essays über Musik und äußert sich als kritische Stimme zu kulturpolitischen Themen.

 

Photo © Universal Edition / Eric Marinitsch

II. Teil der Gesprächsreihe „Hören wir mit anderen Ohren?“ im Institut français

Am Freitag, den 10. Oktober um 19 Uhr findet die nächste Veranstaltung der Gesprächsreihe zur Erkundung der deutsch-französischen Musikwelt.

Der 2. Teil widmet sich dem Thema: „1789 – 1914: Konzertsaal und nationale Identität“.

Die geladenen Gäste Ulrich Mosch (Universität Genf) und Mathieu Schneider (Universität Strasburg) werden im Gespräch mit Moderator Uli Aumüller auf die Facetten der deutschen und französischen klassischen Musik im 19. Jahrhundert eingehen.

In Deutschland entsteht schon zu Beginn des 19ten Jahrhunderts eine Fülle regionaler kultureller Aktivitäten mit Theatern, Opernbühnen und Konzertpodien. Sie bilden die Grundlage für die größte Theater- und Orchesterdichte bis zum heutigen Tage weltweit. Diesen Musikmarkt beliefern Komponisten wie Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms und Wagner. Sie werden zu Ikonen nationaler Identität, ihre Werke finden im Laufe des Jahrhunderts Eingang in den Kanon klassisch-romantischer Musik.
In Frankreich dagegen konzentriert sich das Musikleben auf die Kapitale Paris. Dieser einzigartige großstädtische Musikbetrieb basiert im Vergleich zu Deutschland auf vollkommen anderen Produktionsbedingungen und Bedürfnissen. Aber warum ist vom Repertoire französischer Musik des 19ten Jahrhunderts abgesehen von Bizet und Berlioz so wenig in den deutschen Kanon übernommen worden? Und warum werden die Werke französischer Komponisten dieser Zeit auch heute in Frankreich so selten gespielt?
Hat das etwas damit zu tun, dass sich ausgehend vom protestantischen Norden in Deutschland ein schweigendes Publikum in Konzertsaal und Oper etablierte, das den Musikaufführungen in fast religiöser Andacht lauschte, wohingegen das urbane Pariser Publikum in erster Linie von der Musik unterhalten werden wollte und sich auch selbst unterhielt, die Komponisten in Frankreich also mit ganz anderen sozialen Rahmenbedingungen konfrontiert waren als ihre deutschen Kollegen? Oder handelt es sich bei dieser Vermutung wiederum nur um einen Nachhall antifranzösischer, deutscher Propaganda, einen Nebenschauplatz der deutsch-französischen Kriege von 1870/71, von 1914 bis 1918 oder von 1939 bis 1945? Deutsche Tiefe versus französische Oberflächlichkeit?
Zu diesem Thema sind zwei Fachleute eingeladen, die weder aus Deutschland noch aus der französischen Metropole stammen – und von daher zum Gegenstand des Abends einen gewissen Abstand einnehmen können. Dr. Ulrich Mosch ist „Professeur ordinaire“ an der „Faculté des Lettres – Département d´histoire de l´art et de musicologie“ der Universität in Genf – einem Landstrich in der Schweiz also, in dem sowohl Französisch wie Deutsch gesprochen wird. Mathieu Schneider ist „maître de conférence en musicologie à l’Université de Strasbourg“ im Elsass und hat unter anderem die viel beachtete Ausstellung „Aus gallischer Sicht. Wagner vu de France“ gestaltet, die in Bayreuth, Berlin und Strasbourg gezeigt wurde. Es dürfte also an diesem Abend auch interessant sein zu erfahren, wie Französisch die Musik Richard Wagners.

Eine Reihe von Impuls neue Musik in Kooperation mit Institut Français und Ensemble KNM Berlin.

Mit Dank an die Medienpartner RBB Kulturradio und taz.

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50-Jähriges Jubiläum der Stiftung Royaumont

50-Jähriges Jubiläum der Unterstützung von zeitgenössischer Musik im Kloster Royaumont.

Anlässlich des 50-jährigen Gründungjubiläums organisiert die Stiftung Royaumont dieses Jahr ein Programm des deutsch-französischen Austauschs.

Das Ensemble Recherche wird am 27. September im Rahmen der Veranstaltung „Nuit de la création“  an „Here the deities approve“ teilnehmen. 25 Kompositionen von Komponisten, die mit Royaumont in Verbindung stehen, werden dargeboten. Dieser Tag bildet den Kern der 50-jährigen Jubiläumsfeier.

Die Stiftung gibt sowohl dem Ensemble Recherche, als auch den neuen Vokalsolisten und dem Quatuor Diotima die Möglichkeit, an einer Session außergewöhnlicher Musik teilzunehmen: Vom 8. bis zum 28. September werden 15 jugendliche Komponisten neue Werke für die 3 Formationen schreiben, welche am Sonntag, den 28. September dargeboten werden.

Diese Veranstaltungen werden von Impuls gefördert.

 

 

Vte Teil: 2013 – 2050: Neue Debatten, alte Klischees

Mit: Jean-Luc Hervé, Komponist, Manos Tsangaris, Hochschule für Musik Dresden/Münchener Biennale, Martin Kaltenecker, Université Paris VII

Jean-Luc HFoto_Jean-Luc Hervéervé wurde 1960 geboren; er studierte am Pariser Konservatorium (Conservatoire Supérieur de Musique de Paris), wo er Bekanntschaft mit Gérard Grisey machte. Hier wird ihm sein erster Kompositionspreis verliehen. Seine Doktorarbeit in Ästhetik sowie seine Forschungsarbeiten am IRCAM haben ihn zur theoretischen Reflektion über seine Arbeit als Komponist angeregt; sein Wohnsitz in der Villa Kujoyama in Kyoto stellten einen großen ästhetischen Schock und einen maßgeblichen Wendepunkt in seinem Werk dar. Sein Stück für das Orchester Ciels erhielt im Jahr 1997 den Goffredo Petrassi-Preis. Im Jahre 2003 wurde er vom DAAD für einen Aufenthalt nach Berlin eingeladen. 2004 gründet er zusammen mit Thierry Blondeau und Oliver Schneller die Initiative Biotop(e). Aufführungen seiner Werke durch Orchestre National de France, Orchestre Philharmonique de Radio France, Orchestra sinfonica dell’Emilia-Romagna „Arturo Toscanini“, Instant Donné, Court-Circuit, Ensemble Intercontemporain, 2 E2m, Contrechamps, Berliner Symphonie Orchester, KNM Berlin, Musik Fabrik, Orchestra della Toscana. Er ist Kompositionslehrer am Conservatoire de Boulogne-Billancourt.

 

Manos Tsangaris Foto_Manos Tsangaris_Foto(*1956), Komponist, Trommler und Installationskünstler, zählt zu den bedeutendsten Vertretern des neuen Musiktheaters. Seine Werke finden international Beachtung und wurden u.a. auf zahlreichen renommierten Festivals aufgeführt. 2009 wurde er zum  Professor für Komposition an die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden berufen, im selben Jahr zum Mitglied der Akademie der Künste Berlin gewählt (in 2011 zum Direktor der Sektion Musik). Seit 2010 ist er Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.
Im Studienjahr 2012/13 war Tsangaris Artist In Residence der Zürcher Hochschule der Künste, seit Oktober 2012 ist er designierter künstlerischer Leiter der Münchener Biennale für Neues Musiktheater ab 2016 (zusammen mit Daniel Ott).
Er gründete im Jahr 2009 das „Internationale Institut für Kunstermittlung“ (www.iike.de).
Forschungen auf dem Gebiet der szenischen Anthropologie.
Seit den 1970er Jahren hat Manos Tsangaris immer wieder innerhalb unterschiedlicher künstlerischer Formate die Bedingungen der Aufführung zum wesentlichen Gegenstand von Komposition gemacht.

 

Foto_Martin Kaltenecker

Martin Kaltenecker lehrt Musikästhetik und Musik des 20. Jahrhunderts an der Universität Paris Diderot-Paris 7. Er war Mitherausgeber der Zeitschrift für neue Musik Entretemps (1986-1992) und arbeitete als Übersetzer, sowie am Rundfunk. 2006/07 war er Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Er veröffentlichte La Rumeur des Batailles (Paris 2000), Avec Helmut Lachenmann (Paris 2001) und L’Oreille divisée. Les discours sur l’écoute musicale aux XVIIIe et XIXe siècle (Paris 2001). Er ist Mitherausgeber der Bände Penser l’Œuvre musicale au XIXe siècle : avec, contre ou sans l’histoire ? (Paris 2006) und Pierre Schaeffer. Les Constructions impatientes (Paris 2012). Letzte Veröffentlichung: „ Pierre Schaeffers Theologie des Hörens“, Musik & Ästhetik, Juli 2014

 

Uli Aumüller_swUli Aumüller, geb. 1961, führte eine Ausbildung als Tontechniker und das Studium der Biologie und Neuen Deutschen Literatur zuerst an das Theater (München, Landshut, Mühlheim an der Ruhr, Bruchsal) und dann zum Hörspiel. Seit dem Umzug nach Berlin Anfang der 90er Jahre lebt er als freier Autor und Regisseur von Hörfunkfeatures über zeitgenössische Musik (u.a. Deutschlandfunk Deutschlandradio Berlin, BR, HR, WDR, RBB, SWR), seit 1993 auch für das Fernsehen. 1992 Gründung der inpetto filmproduktion. Zuletzt stellte Uli Aumüller ein filmisches Porträt des Komponisten Mark Andre für die Stuttgarter Oper, WDR und SWR fertig („Ringen um die Gegenwart – Mark Andres Oper ‚wunderzaichen‘“).

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I Teil: 1750 bis 1828: Die Geburtsstunde bürgerlicher Kunstmusik
Mit: Brice Pauset, Hochschule für Musik Freiburg, Iris ter Schiphorst, Universität der Künste Berlin, Herbert Schneider, Mainz

 

Brice Pauset (c) C. Daguet+Editions Henry Lemoine_swBrice Pauset 1965 in Besançon (Frankreich) geboren, studierte zunächst Klavier, Violine, Cembalo, Analyse und mittelalterliche Philosophie, ehe er sich dem Komponieren zuwandte und in Paris bei Michel Philippot, Gérard Grisey und Alain Bancquart in die Lehre ging. Es folgten weitere Studien bei Franco Donatoni in Siena und bei Brian Ferneyhouth in Royaumont, außerdem ein Lehrgang in musikalischer Informatik am IRCAM. Brice Pauset, der auch regelmäßig als Hammerflügelspieler und Cembalist konzertiert, arbeitet mit namhaften Orchestern, Ensembles und Solisten zusammen. Seine Werke erklingen auf den großen internationalen Musikfestivals, u.a. dem Festival d’Automne à Paris, Wien Modern, Musica Viva München, den Donaueschinger Musiktagen sowie den Wittener Tagen für neue Kammermusik. Während der Saison 2004/2005 war er Composer in residence an der Mannheimer Oper. 2011 stand Brice Pauset und sein Werk im Zentrum der Weingartener Tage für Neue Musik. Seit 2008 ist Brice Pauset Professor für Komposition an der Musikhochschule Freiburg im Breisgau. Er lebt in Freiburg und Berlin.

 

Iris ter Schiphorst(c)Susanne Tessa MüllerIris ter Schiphorst wurde in Hamburg geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Pianistin studierte sie Theater-, Kulturwissenschaften und Philosophie in Berlin und besuchte Seminare bei Dieter Schnebel, Luigi Nono und Helga de la Motte. Gleichzeitig befasste sie sich intensiv mit elektronischer Musik und Sample-Techniken. In den Jahren 1996-2001 verband sie eine intensive Zusammenarbeit mit dem Komponisten Helmut Oehring, aus der zahlreiche Kompositionen hervorgegangen sind. Iris ter Schiphorst erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Ihr umfangreiches Werkverzeichnis umfasst alle Gattungen. Dabei haben ihre langjährigen Erfahrungen als Musikerin (zunächst im klassischen Bereich als Pianistin, später als Bassistin, Schlagzeugerin, Keyboarderin und Tontechnikerin in unterschiedlichsten Rock- und Popformationen) ihre Haltung zum Komponieren und ihre Auffassung von Musik entscheidend geprägt. Ihre Werke werden international aufgeführt, u.a. auf den Festivals in Donaueschingen, Witten, Helsinki, Paris, München, Basel etc. Zurzeit lehrt sie Komposition an der Universität der Künste Berlin und betreut dort die Reihe „Neue Musik im Diskurs“ des Instituts für Neue Musik Klangzeitort.

Herbert SchneiderrHerbert Schneider, emeritierter Professor der Universität des Saarlandes, hat Schulmusik, Romanistik und Pädagogik studiert. Nach dem Referendariat begann seine Hochschullaufbahn mit der Assistentenstelle am Musikwissenschaftlichen Institut in Mainz, wo er sich 1979 habilitierte. Er begleitete Professuren an den Universitäten Bayreuth und Heidelberg, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und Frankfurt und zuletzt an der Universität des Saarlandes. Er ist Herausgeber der Musikwissenschaftlichen Publikationen (bisher erschienen mehr als 40 Bände) und der kritischen Ausgabe der Werk von Jean-Bapiste Lully (mit J. de La Gorce). Seine Forschungsschwerpunkte sind die Musiktheorie, die französische Musik seit dem 17. Jahrhundert und die deutsch-französischen Musikbeziehungen. Zuletzt gab er zwei Bände Olivier Messiaen. Texte, Analysen Zeugnisse (mit W. Rathert und K.A. Rickenbacher) und drei Bände Antoine Reicha, Écrits inédits et oubliés/Unbekannte und unveröffentlichte Schriften (mit H. Audéon und A. Ramaut) heraus.

 

 

Hören wir mit anderen Ohren?

Mit einer fünfteiligen Gesprächsreihe, die am 4. September im Institut Francais beginnt, widmet sich Impuls Neue Musik der Frage:

Hören wir mit anderen Ohren?
Eine Entdeckungsreise in die deutsch-französische Musik

Im letzten Jahr wurde diesseits und jenseits des Rheins 50 Jahre Elysée-Vertrag und damit 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft gefeiert. Doch wie ist es um diese Freundschaft in der Musik bestellt ist? Gibt es ein beiderseitiges Verständnis? Hat man sich wirklich etwas zu sagen? Oder gibt es vielmehr nationale Unterschiede in der Musik? Merkwürdigerweise wird oft noch mit alten Klischees argumentiert. Musik aus Deutschland gilt als schwer und verkopft, an französischen Werken wird hier¬zulande das gut Gemachte gelobt, die écriture, das perfekte Handwerk, aber die Werke scheinen in deutschen Ohren oftmals leer zu klingen. Werden sie einfach nicht verstanden? Kann ihr Code nicht dechiffriert werden?

Woher dies alles kommt, soll in einer neuen Gesprächsreihe im Institut Français Berlin hinterfragt werden. Komponisten und Musikwissenschaftler, Programm-macher und Musikexperten werden sich über die beliebtesten Klischees, die fruchtbarsten Missverständnisse und die wichtigsten Gemeinsamkeiten unterhalten. Was war an dem Unterschied zwischen einem Cembalo und einem Clavichord so wichtig und welche Folgen hat das bis heute? Wie viel Französisches steckt in Wagner und wem gehört die elektroakustische Musik?

Die sogenannte Neue Musik ist im Wesentlichen ein Genre, das in Frankreich und Deutschland seine Wurzeln hat bzw. sich im Spannungsfeld deutsch-französischer Bezüge entwickelte. Die Gesprächsreihe wird die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Gegensätze dieser deutsch-französischen Musikgeschichte skizzieren. Es sollen aber auch Unterschiede der Ausbildung, des Musikbetriebes, der Ästhetiken aufgezeigt werden, die eine Übersetzungsarbeit unterschiedlicher Codes von dem einen in das andere Land notwendig erscheinen lässt.

Die Abende werden von dem Filmregisseur und Autor Uli Aumüller (inpetto filmproduktion) moderiert, der soeben ein Filmportrait von Mark Andre fertiggestellt hat. Musik- und Filmbeispiele werden den Abend mit gestalten, am 21. Januar spielt das Ensemble KNM Berlin.

1. Teil am 4. September um 19 Uhr

1750 bis 1828: Die Geburtsstunde bürgerlicher Kunstmusik

Die höfische Musikkultur mit ihrem Zeremoniell, ihren Riten und Affektenlehren wird abgelöst durch eine Musik, die „tiefe Empfindungen“ und „echte Gefühle“ zeigt. Der Slogan heißt: Zurück zur Natur. Der neue Ort für diese neue Musik ist nicht mehr der Hof oder das Hoftheater, sondern der bürgerliche Konzertsaal, in dem sich neue Verhaltensweisen etablieren. Während in Deutschland dieser Wandel in Kooperation mit den adligen Führungseliten stattfindet und zu einer flächendeckenden Verbürgerlichung der Hofkultur führt, bringt in Frankreich der radikale Schnitt der Revolution eine vollständige Neustrukturierung der Musikkultur unter frühkapitalistischen Bedingungen mit sich.
Der Komponist Brice Pauset zeigt dazu am Cembalo die Unterschiede zwischen französischer und deutscher Musik.

Moderation: Uli Aumüller
Gesprächspartner: Brice Pauset, Hochschule für Musik Freiburg, Iris ter Schiphorst, Universität der Künste Berlin; Prof. Herbert Schneider, Mainz – Biografien und Fotos siehe bitte im mitgeschickten Anhang

Konzept: Uli & Sophie Aumüller
Dauer: jeweils ca. 90 Minuten
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt, Konsekutivübersetzung ins Französische.

Institut Français Berlin
Kurfürstendamm 211
10719 Berlin

Eintritt: 6 € /erm. 4 €
Abendkasse und Bar: ab 18.30 Uhr

Information und Kartenreservierung:
Tel. 030 – 885 902 45 oder reservations@impulsneuemusik.com
www.impulsneuemusik.com

Eine Reihe von Impuls neue Musik in Kooperation mit Institut Français und Ensemble KNM Berlin.
Mit Dank an die Medienpartner RBB Kulturradio und taz.

Hören wir mit anderen Ohren?
Eine Entdeckungsreise in die deutsch-französische Musik

2. Teil: 10. Oktober, 19 Uhr
1789 – 1914: Konzertsaal und nationale Identität
Auf einem geopolitischen Fleckenteppich entstehen in Deutschland, das nur über wenige überregionale Zentren von Bedeutung verfügt, eine Fülle regionaler kultureller Aktivitäten mit Theatern, Opernbühnen und Konzertpodien, die Grundlage für die größte Theater- und Orchesterdichte bis zum heutigen Tage weltweit. Diesen Musikmarkt beliefern Komponisten, deren Bedeutsamsten im Laufe des Jahrhunderts kanonisiert werden – auch als Ikonen nationaler Identität. In Frankreich konzentriert sich das Musikleben auf die Kapitale Paris, neben London die größte Metropole Europas, deren schiere Dimension Maßstäbe setzt. Dieser einzigartige großstädtische Musikbetrieb definiert im Vergleich zu Deutschland vollkommen andere Produktionsbedingungen und Bedürfnisse.

Moderation: Uli Aumüller
Gesprächspartner: Ulrich Mosch, Université de Genève, Mathieu Schneider, Université de Strasbourg

3. Teil: 4. November, 19 Uhr
1977 – 2013: Elektroakustische Musik diesseits und jenseits des Rheins
Quo vadis „Neue Musik“? Wenn man sich die Selbstdarstellungen der großen Studios und Forschungseinrichtungen für Neue Musik und Elektroakustik diesseits und jenseits des Rheins durchliest, fühlt man sich an den Anfang des 19ten Jahrhundert zurückversetzt, als E.T.A. Hoffman über den Wunderraum der Klänge (bei Beethoven insbesondere) fabulierte und sich in ein akustisches Zauberreich entführt wähnte, das er auch mit religiösen, transzendentalen Qualitäten ausstattete. Inwieweit unterscheiden sich die zeitgenössischen Programme von den 200 Jahre alten romantischen Klangvorstellungen? Und ist wirklich noch Spielraum für neue Klänge oder gar Klangwelten, besteht die Notwendigkeit für ein neues Hören? Und überhaupt: Haben Franzosen und Deutsche andere Ohren? Denn der Einsatz von zeitgemäßer Elektronik für das Komponieren erfährt in beiden Ländern eine geradezu komplementäre Förderung.

Moderation: Uli Aumüller
Gesprächspartner: Detlef Heusinger, Experimentalstudio des SWR, Christian Zanési, Ina GRM

4. Teil: 4. Dezember, 19 Uhr
1948-2013: Musique concrète auf Deutsch
Bereits 1943 begann Pierre Schaeffer mit ersten Experimenten, auf der Basis von Originaltonaufnahmen Musik zu gestalten. Die von ihm so genannte musique concrète bildete in Frankreich mehrere Schulen aus, und noch heute kommt ein Komponist von Rang und Namen in seiner Vita ohne ein Jahr der Forschung oder Ausbildung im GRM oder IRCAM nicht aus. Michel Chion hat deren Geschichte von Anfang an als Theoretiker begleitet. In Deutschland hingegen hat diese Musik längst nicht diesen Umfang an Förderung erfahren – abgesehen von ihrer Resonanz in der Clubkultur. Helmut Lachenmann wurde berühmt, als er die Denkweisen der musique concrète auf Spieltechniken für traditionelle Musikinstrumente übertrug. Aber beruht sein Bezug auf die musique concrète nicht möglicher Weise auf einem Missverständnis? Ein produktives Missverständnis, das viele Nachahmer und Schulen gefunden hat. Darüber wird Harry Vogt, der Redakteur für Neue Musik und Festivalleiter der Wittener Tage für Neue Kammermusik aus erster Hand erzählen können. Und in dem in Berlin lebenden Komponisten Mark Andre werden aktuell beide Entwicklungen, die deutsche und die französische, vereinigt: Elektroakustik und musique concrète instrumentale.

Moderation: Uli Aumüller
Gesprächspartner: Harry Vogt, WDR, Mark Andre, Hochschule für Musik Dresden. Michel Chion, Wissenschaftskolleg

5. Teil: 21. Januar, 19 Uhr
2013 – 2050: Neue Debatten, alte Klischees
In Deutschland werden Töne laut, dass sich alles ändern müsse und sich so und so schon alles geändert hat, durch das Internet, durch veränderte Hörgewohnheiten. Die neue Musik, wie es sie einmal gab, habe abgewirtschaftet. Diskutiert werden Begriffe wie „Gehaltsästhetische Wende“, „Diesseitigkeit“, „Neuer Konzeptualis-mus“… – die Generation jüngerer Komponisten will eine neue Epoche einläuten, die Epoche nach der neuen Musik. Und in Frankreich bereitet man sich auf den Tod des alten Königs vor und es beginnt das Tauziehen, wer der neue wird, nach Boulez. Natürlich soll erst einmal alles über den Haufen geworfen werden, wofür bisher der Name Boulez steht, ein Anti-Boulezimus. Es soll also wieder tonal komponiert werden, mit sangbaren Melodien und für (und nicht gegen) das Publikum. Doch warum haben es die jungen Komponisten im jeweils anderen Land besonders schwer, aufgeführt, geschweige akzeptiert zu werden? Inwieweit ähneln sich die gegenwärtigen Diskussionen – worin unterscheiden sie sich? Wir führen dieses Gespräch mit zwei Komponisten und Kompositionslehrern aus beiden Ländern – und dem ausgewiesenen Spezialisten der Musikgeschichte und der Geschichte des Hörens in beiden Ländern Martin Kaltenecker.

Moderation: Uli Aumüller
Gesprächspartner: Manos Tsangaris, Hochschule für Musik Dresden/Münchener Biennale, Gérard Pesson, CNSMDP,  Martin Kaltenecker, Université Paris VII
Es spielt das Ensemble KNM Berlin.

Abschlusskonzert der Sommerakademie Opus XXI

Am 22. August findet das Abschlusskonzert der Sommerakademie von Opus XXI im Rahmen der Bregenzer Festspiele statt.

Gegründet im Jahr 2001 und seit 2009 von Impuls neue Musik unterstützt, bietet Opus XXI jedes Jahr einer Gruppe von 20 postgraduierten Studenten die Möglichkeit, mit einem renommierten Composer in Residence und einem erfahrenen Ensemble für zeitgenössische Musik neue musikalische Erfahrungen zu machen. Ziel der Akademie ist die Förderung und Verbreitung von zeitgenössischer Musik durch umfassende Vermittlung auf höchstem Niveau sowie durch die Vergabe von Kompositionsaufträgen an junge Komponist/innen. In einer öffentlichen Generalprobe auf Schloss Salem am 21.8.2014 sowie im Abschlusskonzert am 22.8.2014 in Bregenz werden zwei Auftragswerke, ausgewählte Stücke des Composer in Residence Michel von der Aa und weitere Stücke junger Komponist/innen aufgeführt. Ensemble in Residence ist die französische Formation l’Instant Donné.

Wir wünschen allen Teilnehmer viel Freude und Erfolg!

 

Going Underground

Für das Projekt „Going Underground“ hat sich das in Berlin lebende Bläsertrio Trigger (Chris Heenan, Matthias Müller, Nils Ostendorf) dieses Jahr etwas ganz besonderes überlegt:Es geht um die Kombination aus Geologie und Musik, besser gesagt um die Musik innerhalb und in der Umgebung von Schauhöhlen. Am Wochenende des 18. bis 20. Juli 2014 wird das Trio Trigger tagsüber in drei verschiedenen Schauhöhlen im Alb-Donau Kreis in Baden-Württemberg auftreten (Tiefenhöhle Laichingen, Schertelshöhle, Sontheimer Höhle). Am Samstag, 26. Juli 2014, findet ein Abendkonzert in dem Höhle Fels in Schelklingen statt. Bei den Aufführungen interagieren die Musiker mit den einmaligen akustischen, sozialen und historischen Eigenschaften jeder Höhle, aufgenommen werden die Aufführungen von den Mitgliedern des französischen Künstlerkollektivs Ouïe/Dire.

Die zweite Phase des Projekts ist ein Konzert des Bläsertrios, bei dem die Musiker live innerhalb einer mehrkanaligen Video- und Audio-Installation von Ouïe/Dire spielen. Das Konzert besteht aus dem gesammelten und editierten Material der vorherigen Konzert-Mitschnitte und von Aufnahmen der Höhlen-Umgebungen. Aufgeführt wird die Klang/Video Installation in Berlin, Stuttgart und Périgueux im Winter 2014.

Termine:

Trigger + Ouïe/Dire: En Résidence

Fr, 18. Juli 2014: Tiefenhöhle, Laichingen
Sa, 19. Juli 2014: Schertelshöhle, Westerheim
So, 20. Juli 2014: Sontheimer Höhle, Heroldstatt

ganztägig / kein zusätzlicher Eintritt

 

Trigger: Konzert

Sa, 26. Juli 2014: Hohle Fels, Schleckingen

Abendkasse: 18h, Beginn: 19h / Eintritt: 10€

Transition – Laboratoire de chorégraphie et de musique électronique

Deutsch-französisches Forum junger Kunst

22.10-01.11.2011 | Köln, Alte Feuerwache

„Transition-Workshop für Choreographie und elektronische Musik“ ist ein interdisziplinäres und grenzüberschreitendes Weiterbildungsprojekt, das Nachwuchskünstler aus Deutschland und Frankreich miteinander vernetzt und die Präsenz aktueller elektronischer Musik in der deutsch-französischen Zusammenarbeit verstärkt. Im Kölner Kulturzentrum „Alte Feuerwache“ entwickeln junge Komponisten und Musiker zusammen mit Choreographen, Tänzern und Schauspielern ein gemeinsames Projekt, in dem Bewegung und Sound miteinander verflochten sind. Der neuntägige Workshop für Nachwuchskünstler wird von dem französisch-italienischen Choreographen Gaetano Battezzato und dem deutschen Komponisten Marc Lingk geleitet.
transition-laboratoire-de