Démesures

Caligari Theater (ehem. Stummfilmkino Delphi), Berlin
Im Rahmen der Salzburger Biennale
20.3.15 – 17:00 / 20:00
21.3.15 – 17:00 / 19:00 
/ 20:00
22.3.15 – 16:00

«Démesures» stellt eine musikalische Reaktion auf den Richtungsverlust in einer Welt, die von Masseninformation und -kommunikation übersättigt ist, dar.

Das Konzept der Masse – musikalisch, visuell und sozial – ist das Thema dieses szenischen Konzerts, das eine Verbindung herstellt zwischen einem vielschichtig gesättigten Klangmaterial und konkreten, physischen Kollektiverfahrungen. Neun Akteure und Musiker sind Zeremonienmeister bei diesem theatralisch-musikalischen Ritual, in dem Stücke junger französischer und deutscher Komponisten in einer besonderen, von Wasser bestimmten Szenerie präsentiert werden.

Kollektive sind heute vor allem durch den Einsatz von Massenmedien geprägt. Die Menschen verbringen immer mehr Zeit allein mit Medien, um darin ihre Einzigartigkeit geltend zu machen und Bestätigung zu erhalten. Gleichzeitig erfreuen sich diejenigen Orte zunehmender Beliebtheit an denen Menschen ihre Einsamkeit vorübergehend kompensieren können: Stadien, Festivals oder Clubs. Gustav Le Bon, Elias Canetti und Byung Chul Han haben mit ihren Ansätzen viel zum Verständnis der Macht über die Massen beitragen können.

J. Kreidler, M. Grütter, P. Jodlowski, R. Cendo, F. Bedrossian und A. Schubert gehören einer Generation an, die mit dieser Massengesellschaft konfrontiert ist. Von Massenerfahrungen geprägt definieren sie ein Gefühl der Sättigung. Ihre Kompositionen sind virtuose Werke, die mit exzessiven, hochangereicherten explosiven Klängen arbeiten, die sehr körperlich und urtümlich wirken. Dabei geht es jedoch nicht nur um Kraftmeierei, die Komponisten verfügen ebenso über eine nuancenreiche Klangpalette, feine Collagetechniken und Poesie.

Die Inszenierung von «Démesures» befasst sich mit der Lust oder Angst, in der Masse aufzugehen. Hierbei sind sowohl Informations- als auch Menschenmassen gemeint: als unkontrollierbare Gebilde, in denen man versucht, sich zu verlieren oder aber auch seine Freiheit zu gewinnen. Die BesucherInnen, die frei herumlaufen können, sind in einen ritualisierten Prozess eingebunden und können auf symbolischer Ebene Erfahrungen von Isolation oder Gemeinschaft machen.

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  Die Welt nach Tiepolo – Amerika vom Ensemble KNM Berlin auf Vimeo. Das Projekt wurde von Impuls neue Musik unterstützt.

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